
Nachhaltigkeit ist für 54 Prozent der Menschen in Deutschland sehr wichtig, dennoch verursacht jede Person hierzulande rund 10,4 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Klimaverträglich wären deutlich unter einer Tonne. Dieser Artikel zeigt, wie wir die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit schliessen können. Wir stellen lokale Initiativen vor, die Nachhaltigkeit einfach erklärt in die Praxis umsetzen: Von Energiegenossenschaften über Nachbarschaftsgärten bis zu Repair-Cafés. Dabei beleuchten wir die drei Säulen der Nachhaltigkeit und zeigen, wie soziale Nachhaltigkeit durch gemeinschaftliches Handeln entsteht.
Was ist Nachhaltigkeit und warum vor Ort handeln?
Nachhaltigkeit einfach erklärt
Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Bereits vor 300 Jahren entwickelten Forstleute das Prinzip, nur so viel Holz zu schlagen wie dauerhaft nachwächst. Dieses Handlungsprinzip bei der Nutzung von Ressourcen gewährleistet eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung, indem die natürliche Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme bewahrt wird.
Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung prägte 1987 im Brundtland-Bericht eine Definition, die bis heute gilt: Nachhaltigkeit bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden. Dabei geht es um einen bewussten Umgang mit Rohstoffen, Energie, Natur und Menschen, damit der Planet lebenswert bleibt. Nachhaltiges Handeln berücksichtigt die Endlichkeit natürlicher Ressourcen und die absoluten Grenzen der Belastbarkeit unserer Erde.
Die drei Säulen der Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit wird heute als Form der Ressourcennutzung verstanden, die nach dem Drei-Säulen-Modell auf dem gleichzeitigen und gleichberechtigten Umsetzen von Umweltschutz, langfristigem Wirtschaften und einem fairen Miteinander beruht. Dieses Konzept entstand in den 1990er Jahren und wurde 1997 im Vertrag von Amsterdam der EU verankert. Internationale Anerkennung fand das Modell beim Weltgipfel in Johannesburg im Jahr 2002.
Die ökologische Säule konzentriert sich auf den Schutz und Erhalt der natürlichen Ressourcen. Nur so viele nicht-nachwachsende Rohstoffe dürfen der Erde entnommen werden, wie durch erneuerbare Rohstoffe ersetzt werden können. Die ökonomische Säule fordert nachhaltiges Wirtschaften ohne Ressourcenerschöpfung und betont wirtschaftliche Stabilität durch langfristige Strategien. Die soziale Säule stellt den Menschen in den Mittelpunkt und zielt auf die Schaffung einer stabilen, gerechten und inklusiven Gesellschaft, in der alle Menschen mitwirken können.
Entscheidend ist dabei die Gleichwertigkeit aller drei Dimensionen. Eine nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn wirtschaftliche, ökologische und soziale Belange gleichzeitig und gleichwertig einfliessen. Die drei Säulen bedingen sich gegenseitig: Die Ökologie liefert Ressourcen für die Produktion, die Ökonomie gibt Menschen Arbeit und Mittel für einen guten Lebensstandard, der sich wiederum positiv auf die Umwelt auswirken kann.
Lokale Verantwortung trifft globale Wirkung
Der Satz «Global denken – lokal handeln» ist aktueller denn je. Nachhaltigkeit braucht das Engagement und die praktische Umsetzung vor Ort, denn gesellschaftliche sowie staatliche Akteure wirken mit. Länder und Kommunen spielen dabei eine zentrale Rolle.
Bei der Gestaltung und Entwicklung der Siedlungsbereiche haben Kommunen grossen Handlungsspielraum. Die verfassungsrechtlich garantierte Planungshoheit ist ein wesentlicher Teil des gemeindlichen Selbstverwaltungsrechts. Gemeinden tragen deshalb eine besondere Verantwortung für die Umwelt. Die gemeindliche Bauleitplanung soll nicht nur eine geordnete städtebauliche Entwicklung gewährleisten, sondern auch dazu beitragen, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen.
Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind zwar allen Unterzeichnerstaaten gemein, werden jedoch regional unterschiedlich umgesetzt. Während bestimmte Länder im Süden Massnahmen gegen Hungersnöte treffen, legt Deutschland den Schwerpunkt auf die Verringerung der Lebensmittelverschwendung. Mit diesen mobilisierenden Zielen wird erreicht, dass Initiativen auf lokaler Ebene Teil der weltweiten Bemühungen sind. Alle können zur Erreichung der Ziele beitragen, ob Kantone, Gemeinden, Unternehmen oder Bürger.
Eine erfolgreiche nachhaltige Entwicklung berücksichtigt die jeweiligen regionalen Bedingungen und Besonderheiten. Viele Kommunen bündeln ihre Vorhaben zur Reduzierung des Energiebedarfs in lokalen Klimabündnissen. Nur wenn globale Strategien durch lokale Beteiligung gestaltet werden, können sie erfolgreich sein.
Bürger gründen Energiegenossenschaften für erneuerbare Versorgung
Rund 220.000 Menschen in Deutschland gehören zu einer der fast 1.000 Bürgerenergiegenossenschaften, die hierzulande existieren. Diese Genossenschaften sind Akteure der Energiewirtschaft in der Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft, die das Ziel einer dezentralen, konzernunabhängigen und ökologischen Energiegewinnung verfolgen. Sie bieten die Möglichkeit, an der Energiewende aktiv mitzuwirken und stellen gleichzeitig Anlage- und Investitionsmöglichkeiten in lokale Energieprojekte bereit.
Wie Energiegenossenschaften funktionieren
Bürgerenergiegenossenschaften sind ein Zusammenschluss von Menschen, die das Thema Energiewende voranbringen wollen, unabhängig sind und die Wertschöpfung vor Ort lassen möchten. Mindestens drei Personen müssen die Gründung durchführen, wobei eine Satzung den Genossenschaftszweck festlegt. Die Mitgliederversammlung wählt den Vorstand, der ehrenamtlich arbeitet.
Die Mitgliedschaft ist bereits ab 100 Euro möglich. Damit können kleine, aber auch grössere Projekte umgesetzt werden, beispielsweise die Beteiligung an Windenergie. Grundsätzlich gilt in Genossenschaften: Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe seiner Mitgliedsanteile. Bürger werden nicht nur zu Kunden, sondern zu Miteigentümern von Projekten im Bereich erneuerbare Energien, über die sie gemeinsam verhandeln und entscheiden, in die sie gemeinsam investieren und die sie oft im Anschluss dann auch betreiben.
Im Jahr 2024 sind die meisten Energiegenossenschaften (77 Prozent) im Bereich der Photovoltaik aktiv, 17 Prozent im Bereich der Windenergie, 33 Prozent im Bereich Stromvertrieb und 28 Prozent betreiben lokale Wärmenetze. Darüber hinaus sind Bürgerenergiegenossenschaften zu Thinktanks geworden, die kontinuierlich neue Geschäftsfelder entwickeln. Dazu gehören Speicher, Mieterstrom und Energy Sharing, Elektromobilität sowie Energieeffizienz- und Contractingprojekte. Bereits heute betreiben rund 300 der Bürgerenergiegenossenschaften in Deutschland auch Wärmenetze.
Erfolgsbeispiele aus deutschen Gemeinden
Die Bürgerwerke eG bilden die grösste Dachgenossenschaft und vereinen 118 lokale Energiegemeinschaften aus ganz Deutschland. Die Bürgerwerke versorgen bundesweit Menschen mit erneuerbarem Bürgerstrom aus Solar-, Wind- und Wasserkraft sowie nachhaltigem BürgerÖkogas. Aufgaben wie der Energieeinkauf, die Abrechnung und zentrale Vertriebsaktivitäten sind in der Geschäftsstelle gebündelt. Im Frühjahr 2023 haben die Bürgerwerke die BürgerProjektGemeinschaft gestartet, um gemeinsam Freiflächen-Solaranlagen in Bürgerhand zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben.
In Römerberg zeigt sich, wie praktisch Energiegenossenschaften arbeiten. Die Bürgerenergiegenossenschaft montierte Eheleuten Meinert eine 30.000 Euro teure Solar-Anlage aufs Dach. 20 Jahre lang mietet das Ehepaar die Anlage, danach lösen die beiden sie für einen Euro ab. Die Genossenschaft übernahm die Planung, steckte die Rahmenbedingungen ab, heuerte die Monteure an und erledigte die behördliche Anmeldung. Das Ehepaar bekam die Anlage schlüsselfertig übergeben.
Ein weiteres Beispiel findet sich in der Kooperation der Gemeinde Jockgrim mit der Bürgerenergiegenossenschaft Südpfalz. Auf dem Dach der Kita Albertino entstand eine Photovoltaikanlage mit knapp 100 Kilowattpeak sowie ein Speicher mit einer Kapazität von 60 Kilowattstunden. Die Anlage wird von der Genossenschaft im Pachtmodell betrieben. Die Gemeinde stellt das Dach unentgeltlich zur Verfügung, die Genossenschaft errichtet und betreibt die PV-Anlage und verpachtet sie wiederum an die Gemeinde für einen festgeschriebenen Pachtzins auf 20 Jahre. Im Gegenzug bezieht die Gemeinde eigenen Solarstrom für die Kita und kann anfallende Stromüberschüsse selbst vermarkten, ohne selbst Geld investieren zu müssen.
Vorteile für lokale Gemeinschaften
Gemeinsam haben Energiegenossenschaften insgesamt 3,6 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert und in 2025 rund acht Terawattstunden klimafreundlich Strom erzeugt. Je nach angenommenem Verbrauch reichen acht Terawattstunden Strom, um etwa 2,3 bis 2,7 Millionen Haushalte pro Jahr mit Strom zu versorgen.
Energiegenossenschaften schaffen auch für Menschen, die keine eigenen Flächen in Form von Dächern oder Grundstücken besitzen, die Möglichkeit, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen. Die Geschäftspolitik orientiert sich dabei an den Belangen der Mitglieder und damit an den Interessen der Bürgerschaft vor Ort. So entstehen innovative Lösungen, die ökologisch sinnvoll, ökonomisch tragfähig und am Gemeinwohl orientiert sind.
Energiegenossenschaften sind lokale Unternehmen, die vor Ort Steuern zahlen, Aufträge an Handwerksbetriebe erteilen und häufig selbst Arbeitsplätze schaffen. Gewinne werden an die Mitglieder vor Ort ausgeschüttet oder in neue Anlagen investiert. Damit bleibt ein grosser Teil der Wertschöpfung in der Region. Wo Bürger selbst investieren, steigt die Bereitschaft, Windräder zu akzeptieren oder neue Flächen bereitzustellen. Transparente Entscheidungsprozesse schaffen Akzeptanz, Beteiligung reduziert Konflikte.
Nachbarschaftsgärten verwandeln Brachflächen in grüne Oasen
In deutschen Städten sind bundesweit rund 400 Gemeinschaftsgärten entstanden. Urban Gardening bezeichnet verschiedene Arten urbaner Landwirtschaft in Form städtischer Gemeinschaftsgärten, die von Interkulturellen Gärten über Community Gardens und City Farms bis hin zu Nachbarschaftsgärten oder Guerilla Gardening reichen. Diese Bewegung verwandelt brachliegende Gebiete in bepflanzte Flächen und steigert gleichzeitig die Lebensqualität für die Bewohner dieser Gebiete.
Urban Gardening als soziale Nachhaltigkeit
Der Durchbruch von Urban Gardening in Deutschland begann zu Beginn der 1990er Jahre, als Deutschland zum Einwanderungsland von Migrantinnen und Migranten verschiedener Nationen wurde. Interkulturelle Gärten dienten der Annäherung von Menschen verschiedener Kulturen. Migrantinnen und Deutsche trafen sich beim gemeinsamen Gärtnern inmitten von Grossstädten, was nicht nur das gegenseitige Kennenlernen erleichterte, sondern auch die Entstehung von Zugehörigkeit und Gemeinsamkeiten förderte.
Im Jahr 1996 entstanden in Göttingen die ersten Internationalen Gärten, die Flüchtlingen zu einer besseren Integration verhelfen sollten. Die Unterhaltungen wurden dabei bewusst auf Deutsch geführt. Mithilfe städtischer Gemeinschaftsgärten können die drei Säulen der Nachhaltigkeit in Einklang gebracht werden: Die Akteure sammeln Naturerfahrungen in der Stadt, das städtische Gemeinschaftsleben wird gefördert und Stadtteile werden verschönert.
Gemeinschaftliche Bewirtschaftung stärkt den Zusammenhalt
Parks werden von 70 Prozent der Stadtbewohnerinnen mindestens einmal im Monat, von 50 Prozent mindestens einmal pro Woche besucht. Gemeinschaftsgärten bieten Räume für Begegnung und Bewegung, wobei Aufenthalte und Betätigung im Grünen Stress abbauen können. Das Beispiel des Prinzessinnengartens in Berlin-Kreuzberg zeigt die Kraft gemeinschaftlichen Handelns: Mehr als 100 Freiwillige fanden sich 2009 zusammen, um eine 6.000 Quadratmeter grosse Brachfläche vom umherliegenden Müll zu befreien. Inzwischen wachsen in Kunststoffkästen, direkt an einem Verkehrskreisel gelegen, Gemüse und Kräuter in Bioqualität.
Viele Gemeinschaftsgärten sind mobil konzipiert: Sie nutzen Brachland in der Innenstadt, das nur temporär verfügbar ist, aber dafür kostenlos oder gegen geringe Miete befristet überlassen wird. Alle Pflanzen werden nicht in den Boden gepflanzt, sondern auf Transportpaletten, Kisten, Fässern oder Säcken, sodass der komplette Garten umziehen kann, sobald das Brachland als Bauland genutzt werden soll. Das Himmelbeet ist ein interkultureller Gemeinschaftsgarten im sozialen Brennpunkt Wedding, der sich unter dem Motto „zusammen wachsen» der Aufgabe verschrieben hat, Nachbarn sowie soziale Randgruppen bei der Gartenarbeit friedlich zusammenzuführen.
Urban Gardening-Initiativen erhöhen die Agrobiodiversität und führen zu einer höheren Wertschätzung von Lebensmitteln. Darüber hinaus fördern sie den Austausch innerhalb der Nachbarschaft und bringen Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammen. Der kulturelle und soziale Wert macht den Grossteil des gesellschaftlichen Nutzens eines Parks oder Gartens aus.
Ökologischer Nutzen für das Stadtklima
Die Luft in Innenstädten ist insbesondere nachts häufig einige Grad Celsius wärmer als im ländlichen Umland, sodass es im Hochsommer zu zusätzlicher Hitzebelastung kommt. Gärten und Parkanlagen können diesen Effekt der städtischen Wärmeinseln lokal abmildern. Die Blätter von Bäumen, Sträuchern und Wiesen filtern Schadstoffe aus der Luft, binden Kohlenstoff und kühlen das Stadtklima, indem sie Wasser verdunsten und Schatten spenden.
Befragte Nachbarn betrachten die verstärkte Präsenz der lokalen Fauna, die verbesserte Luftqualität und vor allem die Verringerung des Wärmegefühls als positive Auswirkungen der Bepflanzungen. Die kühlende und luftreinigende Wirkung von Grünflächen hat positive Effekte auf die Gesundheit der Menschen, die in der Stadt leben, und reduziert personliches Leid und öffentliche Gesundheitskosten. Gärten in der Stadt tragen zur Anpassung an den Klimawandel bei, indem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen und den Hitzeinsel-Effekt reduzieren. Zudem bieten sie Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere.
Repair-Cafés verlängern Produktlebenszyklen und fördern Kreislaufwirtschaft
Fast tausend Repair Cafés verzeichnet die Verbraucherzentrale in Deutschland. Diese ehrenamtlichen Treffen bringen Menschen zusammen, die alleine oder gemeinsam mit anderen ihre kaputten Dinge reparieren. Defekte Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Textilien und Spielzeuge können vorbeigebracht werden, um sie mit erfahrenen Reparateuren zu reparieren. Die Reparaturen selbst sind kostenlos, Wartezeiten vertreiben sich Besucher bei Kaffee und Kuchen.
Das Konzept ehrenamtlicher Reparaturinitiativen
An den Orten, an denen Repair Cafés stattfinden, ist Werkzeug und Material für alle möglichen Reparaturen vorhanden. Besucher nehmen defekte Gegenstände von zu Hause mit und machen sich gemeinsam mit einem Fachmann oder einer Fachfrau an die Arbeit. Von Staubsaugern über Toaster bis hin zu Kaffee- oder Nähmaschinen wird unter Anleitung fachkundiger Reparaturhelfer gegen eine freie Spende repariert.
Die wichtigste Ressource sind ehrenamtlich engagierte Mitglieder, wobei Teams mit mindestens vier bis fünf Personen starten sollten. Neben der technischen Komponente können Repair Cafés auch soziale Treffpunkte für Menschen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen sein. Einige haben sich als Radioklinik spezialisiert oder als MakerSpaces damit begonnen, Ersatzteile mittels 3D-Druck zu replizieren.
Am 21. Mai 2026 verabschiedete der Bundestag das Gesetz zur Aufnahme der Kategorie «nicht-gewerblichen Reparateurs», wodurch Repair Cafés und andere ehrenamtliche Initiativen als fachlich kompetente Vereinigungen mit rechtssicherem Anspruch auf Ersatzteile und Reparaturanleitungen durch Hersteller gelten. Dies soll helfen, dass die Reparatur von Kleingeräten wirtschaftlich sinnvoll wird und sie damit länger benutzt werden können.
Ressourcenschonung durch gemeinschaftliches Reparieren
Im Jahr 2025 wurden mehr als 14.000 defekte Gebrauchsgegenstände in die Repair Cafés gebracht, wovon 73 Prozent repariert verlassen haben und damit vor dem Abfallkübel gerettet werden konnten. In der Schweiz gibt es über 200 Repair Cafés, bei denen defekte Gegenstände gemeinsam mit Fachpersonen repariert werden.
Reparatur-Veranstaltungen verstehen sich sowohl als Beitrag gegen industrielle Strategien zu einem geplanten Zerfall von Produkten als auch als gelebte Praxis, ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft zu setzen und Müll zu vermeiden. Rund die Hälfte der Elektrogeräte, die zur Entsorgung gebracht werden, sind noch funktionstüchtig und wären ohne oder mit sehr geringem Reparaturaufwand weiter- oder wiederverwendbar.
Die Reparatur als eine der zehn RE-Strategien der Kreislaufwirtschaft hat viele Vorteile. Sie verlängert die Lebensdauer, schont dadurch Ressourcen und spart Energie, die für die Herstellung neuer Produkte erforderlich wären. Die Grundstoff- und Energiemenge, die für die Herstellung neuer Produkte erforderlich ist, wird somit gespart, ebenso wie die CO2-Emissionen. Denn bei der Herstellung neuer Produkte und beim Recycling von Gebrauchtgegenständen wird CO2 freigesetzt.

Wissensvermittlung zwischen Generationen
Das Reparieren ist bei vielen Menschen leider in Vergessenheit geraten. Besonders jüngere Generationen wissen nicht mehr, wie sie dies angehen sollen. Das Wissen, wie man Dinge repariert, verschwindet schnell, was eine Bedrohung für nachhaltige Entwicklung und für die Kreislaufwirtschaft darstellt, in der Rohstoffe immer wieder erneut verwendet werden können.
Darum gibt es Repair Cafés: Menschen mit Reparaturwissen erfahren die Wertschätzung, die sie verdienen. Wertvolle praktische Fertigkeiten werden weitergegeben, Gegenstände sind auf diese Weise länger brauchbar und werden nicht weggeworfen. Freiwillige aus dem Repair Café besuchen auch Schulen, um dort Reparierstunden zu geben, wodurch Repair Cafés zu einer Mentalitätsveränderung beitragen.
Im Repair Café lernen Menschen, Gegenstände auf andere Weise wahrzunehmen und sie ganz neu wertzuschätzen. Reparaturstrukturen können leerstehenden Räumen neues Leben schenken und schaffen Raum für den sozialen Austausch, der das Engagement und eine gute Nachbarschaft unterstützen kann. Im Mittelpunkt steht jedoch, dass Repair Café zeigen möchte, dass Reparieren auch viel Spass macht und relativ einfach ist.
Unverpackt-Läden revolutionieren lokales Einkaufsverhalten
Plastikfreies Einkaufen im Quartier
Marie Delaperrière eröffnete 2014 in Kiel den ersten Unverpackt-Laden Deutschlands. Kunden kaufen dort nur das, was sie tatsächlich brauchen: Keine Verpackungsmaterialien und keine festen Verkaufsmengen, die dazu führen, dass Produkte verderben und weggeschmissen werden. Das Konzept orientiert sich an sechs einfachen Prinzipien im Umgang mit Verpackungsmaterial: Rethink, Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rott. Inzwischen gibt es mehr als 400 Geschäfte nach diesem Vorbild. Selbst in einigen konventionellen Supermärkten existieren bereits Unverpackt-Abteilungen zum Selbstabfüllen.
Unverpackt-Läden bieten ein breites Sortiment unter anderem an Frische- und Trockenprodukten, Ölen, Kaffee, Tee, Gewürzen, Kosmetik- und Reinigungsprodukten an. Häufig sind die unverpackten Waren biologisch, fair und regional produziert. Besucher bringen eigene Behältnisse mit und füllen die Produkte direkt ab. Viele Produkte sind lange haltbar und können auf Vorrat eingekauft werden. Manche Läden geben Ware auch in Grossgebinden ab, beispielsweise fünf Kilogramm Nudeln. Zu Hause können Kunden sie dann für den täglichen Gebrauch in kleinere Behälter umfüllen.
Allein 227,5 Kilogramm Plastik entsorgte jeder Deutsche nur im Jahr 2019. Darüber hinaus bieten Wochenmärkte und Bioläden oft die Möglichkeit, frische Waren ohne Verpackung zu kaufen. An der Brottheke erhalten Kunden unverpacktes Brot, das sie sich in den Stoffbeutel einpacken lassen können. Türkische und arabische Läden haben oft viele Gewürze in Gläsern, Produkte in Grosspackungen sowie loses und günstiges Obst und Gemüse.
Regionale Lieferketten aufbauen
Im Sinne der Verpackungsvermeidung stellen Inhaberinnen und Inhaber von Unverpackt-Läden nicht nur hohe Ansprüche an sich selbst, sondern auch an ihre Lieferanten. Nach Möglichkeit werden Grossgebinde von bis zu 25 Kilogramm, meist Papierverpackungen, direkt beim Hersteller geordert. Frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Brot oder Käse beziehen viele Läden von regionalen Erzeugern, oftmals in Bio-Qualität.
Die OHNE-Läden in München arbeiten zum Teil mit einem Bio-Grosshandel zusammen, von dem sie Ware in Grossmengen beziehen. Gleichzeitig haben sie bayerischen Tofu im Pfandglas im Kühlregal, der von einem kleinen Familienbetrieb hergestellt wird. Das funktioniert nach dem Mehrweg-Prinzip: Die Tofu-Lieferung kommt donnerstags und das Leergut geht gleich wieder zurück. Der Bäcker kommt jeden Morgen und bringt frisches Brot, für das er auch das Mehl aus dem Getreide vom Bio-Bauernhof verbackt, der den Laden beliefert.
Gerade in dem Punkt konnte das wachsende Netzwerk der Unverpackt-Läden bereits Fortschritte erzielen. Die Lieferanten haben sich angepasst und das Angebot sich dadurch enorm vergrössert. Besonders bei importierten Produkten wie Nüssen hat Delaperrière die Lieferketten im Blick. Verpackungsmüll muss konsequent in der ganzen Lieferkette vermieden werden.
Bewusstseinsbildung für nachhaltigen Konsum
Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde hat im Forschungsprojekt «Unverpackt 2.0» einen Grundstein für die professionelle Warenbelieferung von Unverpackt-Läden mit Mehrwegbehältnissen entwickelt. Vielmehr handelt es sich bei Unverpackt-Läden um Lernorte, an denen Verbraucher aktiv und in kleinen Schritten nachhaltiges Verhalten üben, was letztendlich ein grundsätzliches Umdenken ermöglicht.
Gerade Kunden achten zunehmend auf Produkte aus sozial und ökologisch verantwortungsvollen Lieferketten. Auf Informationen und Transparenz ihrer Lieferanten, beispielsweise in öffentlichen Nachhaltigkeitsberichten, legt Delaperrière deshalb besonderen Wert. Das OHNE-Team baut das Sortiment hauptsächlich auf Kundenwunsch auf. Boxen sammeln Kundenwünsche und das Sortiment wird dahingehend ausgebaut.
Im ersten Jahr der Corona-Pandemie wurden in Deutschland pro Person 78 Kilogramm Verpackung eingesammelt, das waren sechs Kilogramm mehr als im Jahr zuvor. In einer Studie sagte die deutliche Mehrheit der Befragten aus, infolge der Pandemie zumindest teilweise bewusster nachhaltig handeln zu wollen. Rund zwei Drittel achteten der Umwelt zuliebe darauf, Müll zu vermeiden. Der Einkauf von Lebensmitteln ist Gewohnheitssache. Der Einkauf im Unverpackt-Laden funktioniert ein wenig anders als üblich, wird aber schnell Routine.
Schulen integrieren Nachhaltigkeitsprojekte in den Alltag
Bildungseinrichtungen entwickeln sich zu praktischen Lernorten für Nachhaltigkeit. Der Bildungsbereich hat eine zentrale Rolle bei der Bewusstseinsbildung übernommen, denn Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) soll helfen, ein friedliches, solidarisches Zusammenleben in Freiheit und Wohlstand sowie in einer lebenswerten Umwelt den heutigen und künftigen Generationen zu ermöglichen. BNE fördert Dialogfähigkeit und Orientierungswissen, kreatives und kritisches Denken sowie ein ganzheitliches Lernen unter Berücksichtigung religiöser Orientierung und kultureller Werte.
Schulgärten als Lernorte
Etwa die Hälfte aller Schulen in Baden-Württemberg verfügen über einen Schulgarten oder über ein derartiges Gelände, angrenzend an die Schule. Schulgärten bieten ganzheitliche Lernfelder, die zahlreiche Möglichkeiten als Lern- und Lebensort bereitstellen und ein Lernen in der Natur vor Ort ermöglichen. Kinder erleben im Garten Naturprozesse unmittelbar und beobachten Wachstum, Wandel und Kreisläufe. Gleichzeitig bietet der Garten zahlreiche Anknüpfungspunkte für Themen aus Mathematik, Sprache, Gestalten oder NMG.
Die Schüler werden nicht einfach Anweisungen ausführen, sondern Verantwortung übernehmen und mitgestalten dürfen. Dieses Mitwirken fördert nicht nur die Selbstwirksamkeit, sondern auch das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Natur und Gemeinschaft. Das gemeinsame Ernten und Verarbeiten von Gemüse macht Lernerfolge sichtbar. In einer freien Projektarbeit haben Ben und Keno am Städtischen Gymnasium Rheinbach über ein Schulhalbjahr mit Bienen beschäftigt und dabei ein grosses Bienenhotel für den Schulgarten gebaut. Heute sind verschiedene Bienenarten auf dem Gelände des Gymnasiums heimisch.
Energiespar-Initiativen von Schülern
Schüler werden selbst aktiv bei der Analyse des Energieverbrauchs in ihrer Schule, bei der Aufdeckung von Energieverschwendungen und der Entwicklung eigener Energiesparideen. Das Programm Enerschool beteiligt Schüler an der Reduktion des Energieverbrauchs ihrer Schulgebäude und ermöglicht die Senkung des Energie- und Wasserverbrauchs mit der Möglichkeit einer garantierten Reduktion um 10% in 5 Jahren ohne Investitionen. Besonders engagierte Klassen erhalten einen Preis und die Gemeinden sparen Geld.
Sophie nahm am 2 Grad-Schülercampus des WWF teil und forschte dort ein Jahr gemeinsam mit Klimafachleuten zu erneuerbaren Energien. Danach hat sie in einem Projekt eine Kleinwindkraftanlage an ihrer Schule initiiert und installiert. Mit einem CO2-Messgerät können Schüler selbst prüfen, wann gelüftet werden sollte oder welche Lüftungsart den schnellsten Luftaustausch sichert.
Bildung für nachhaltige Entwicklung praktisch umsetzen
BNE schafft Experimentier- und Gestaltungsräume für Nachhaltigkeitslösungen und gesellschaftliche Innovationen. Das Eco-Schools-Programm unterstützt Schulen dabei, Nachhaltigkeitsthemen systematisch in den Schulalltag zu integrieren. Nachhaltigkeit wird zur Leitidee der gesamten Schule. Gaby hat mit anderen Eltern Meet & Eat an der Schule ihrer Kinder in Ahrensburg gegründet. So konnten die Schülerinnen und Schüler täglich regional und bio essen und wurden an gesunde Ernährung herangeführt. Über 100 Helfende engagieren sich dort seit langem in der Schulkantine.
Kommunen schaffen Infrastruktur für nachhaltige Mobilität
Gemeinden prägen nachhaltige Mobilität durch gezielte Infrastrukturmassnahmen. Mit innovativen Mobilitätslösungen können Kommunen den CO₂-Ausstoss senken und die Lebensqualität vor Ort steigern. Dabei können sie an verschiedenen Hebeln ansetzen: die Förderung von Fuss- und Veloverkehr, das Vernetzen verschiedener Transportmittel, das Vorantreiben geteilter Mobilität wie Car- oder Bikesharing und der Ausbau der Elektromobilität.
Bürger fordern bessere Radwege
Städte, Gemeinden und Landkreise in Baden-Württemberg investieren kräftig in bessere Bedingungen für Radfahrende und Fussgänger. Das aktuelle Förderprogramm für kommunale Rad- und Fussverkehrsinfrastruktur 2026 bis 2030 umfasst knapp 1.000 Massnahmen mit einem Investitionsvolumen von über einer Milliarde Euro. Das Land Baden-Württemberg stellt hierfür insgesamt rund 500 Millionen Euro bereit. In den kommenden fünf Jahren entstehen über 600 Kilometer neue Radwege.
Verkehrsminister Winfried Hermann betonte die Bedeutung dieser Investitionen: «Das bedeutet ganz konkret mehr Sicherheit für Kinder auf dem Schulweg, eine erlebbare RadKULTUR, mehr Lebensqualität in unseren Orten und ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz und gesunde Mobilität». In der Regel übernimmt das Land 50 Prozent der förderfähigen Kosten, bei besonders klimafreundlichen Projekten sogar bis zu 75 Prozent.
Nordrhein-Westfalen treibt den Ausbau der Radwege mit Rekord-Investitionen voran. Im Jahr 2026 stellt die Landesregierung gemeinsam mit dem Bund mehr als 172 Millionen Euro für den Ausbau moderner und sicherer Radinfrastruktur bereit. Lag die Förderung 2017 noch bei 12,3 Millionen Euro, werden den Kommunen in diesem Jahr 98,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Landesregierung hat sich 1.000 Kilometer neue Radwege als Ziel gesetzt, zum 31. Dezember 2025 waren bereits 661 Kilometer fertiggestellt.
Carsharing-Modelle im ländlichen Raum
Durch Carsharing können Anschaffung und Unterhalt eines eigenen Pkw eingespart, Parkflächen und die Anzahl der individuellen Fahrten reduziert werden. Auch in ländlichen Räumen und abseits der Geschäftsgebiete der grossen Anbieter bieten Carsharing-Konzepte Potenziale für gemeinschaftliche Fahrzeugnutzung. Mit der Massnahme «LandMobil – Unterwegs in ländlichen Räumen» förderte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bundesweit rund 40 Modellvorhaben.
Im Projekt Geschärt mobil wurde im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis Carsharing eingeführt. Das Konzept umfasst die Nutzung von Dienstfahrzeugen durch Privatpersonen am Abend sowie am Wochenende, gesponserte Carsharing-Fahrzeuge und Privatfahrzeuge. Der Küstenstromer ist ein auf E-Fahrzeugen basierendes Carsharing-Angebot für die Bewohner sowie Gäste der autofreien Nordseeinsel Spiekeroog und der Hafengemeinde Neuharlingersiel.
Im Modellprojekt IMSA stand die Verbesserung der Anschlussmobilität, insbesondere für die erste und letzte Meile im Vordergrund. In zwei Pilotgemeinden hat der Landkreis Reutlingen das ÖPNV-Angebot durch den Verleih von E-Bikes, E-Scootern und ein rein elektrisch betriebenes Carsharing-System erweitert. Die Anzahl der Carsharing-Kunden in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren von 0,26 Millionen auf 3,39 Millionen stark angestiegen.
Elektromobilität durch lokale Ladestationen
Der Kanton Zürich fördert den Ausbau von Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge. Für das Förderprogramm Ladeinfrastruktur stehen insgesamt 50 Millionen Franken zur Verfügung. Das Förderprogramm ist befristet bis alle Mittel aufgebraucht sind, spätestens jedoch per Ende 2026. Stand 03.09.2026 wurden mehr als 96 Prozent der Mittel beansprucht.
Die Gemeinde Binningen fördert mit zahlreichen Massnahmen eine nachhaltige Entwicklung der Mobilität, dabei spielt auch die Elektromobilität eine wesentliche Rolle. In Binningen hat die Gemeinde sechs Ladepunkte eingerichtet: vier beim Parking Schloss und zwei beim Kronenmatten. Siebzig Prozent der Bevölkerung leben in Mehrparteiengebäuden, für sie ist die heimische Ladestation noch nicht selbstverständlich.
In der Schweiz sehen Nutzer auf einer Karte ca. 18.400 allgemein zugängliche Ladestationen. Öffentlich zugängliche Ladestationen sind ein wichtiger Baustein für den Ausbau der Elektromobilität. In der Bau- und Zonenordnung können Gemeinden Anforderungen an die Ausstattung von Parkplätzen verankern und beispielsweise festlegen, dass es bei gewissen Parkplätzen eine Lademöglichkeit braucht.

Wie lokale Initiativen bundesweit Wirkung entfalten
Vernetzung erfolgreicher Projekte
Die Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) sind regional organisierte Informations- und Aktionsplattformen, die Akteure zum Erfahrungsaustausch einladen und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen anbieten. Die vier regionalen Netzstellen decken das gesamte Bundesgebiet ab. Der Bundestag hat 10 Millionen Euro verteilt auf fünf Jahre für die bessere Vernetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen der Zivilgesellschaft bereitgestellt.
Mit unseren Mitgliedern sind wir aktuell in 13 Bundesländern vertreten. Die Organisationen gestalten vor Ort den Wandel und sind vielfältig mit lokalen Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vernetzt. Insbesondere auf regionaler und lokaler Ebene gibt es viele Akteure, deren Ideen und Erfahrungswissen aus konkreten Vorreiterprojekten in die Weiterentwicklung der Strategien auf Landes- und Bundesebene einfliessen sollen.
Übertragbarkeit grüner Ideen auf andere Regionen
Das Grüne Gallustal entwickelt als nächstes eine Formel Siedlungsnatur, um das Wissen und die Erfahrungen anderen Gemeinden und Städten weiterzugeben. Klein anfangen, gross denken: Pilotprojekte helfen, Neues auszuprobieren und machen Lust auf mehr.
Politische Impulse durch Graswurzelbewegungen
Graswurzelbewegungen entstehen oft als Reaktion auf soziale Ungerechtigkeit, Umweltprobleme oder politische Missstände. Sie haben das Potenzial, politische Landschaften zu beeinflussen. Dr. Michael Mischke fordert, dass Graswurzelbewegungen sichtbarer gemacht werden müssen, da kleine Akteure oft kaum förderfähig sind.
Schlussfolgerung
Diese Beispiele zeigen uns: Nachhaltigkeit funktioniert vor Ort. Energiegenossenschaften, Gemeinschaftsgärten, Repair-Cafés und Unverpackt-Läden beweisen, dass wir die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit schliessen können. Mit anderen Worten, der Wandel beginnt in unserer unmittelbaren Umgebung. Jede Initiative vereint dabei die drei Säulen der Nachhaltigkeit und schafft gleichzeitig soziale Bindungen. Wir müssen nicht auf grosse politische Entscheidungen warten. Stattdessen können wir heute damit anfangen, in unseren Gemeinden aktiv zu werden. Die vorgestellten Projekte liefern konkrete Vorbilder, die sich auf andere Regionen übertragen lassen. Gemeinsam gestalten wir so eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen.
FAQs
Q1. Was bedeutet Nachhaltigkeit im Alltag konkret? Nachhaltigkeit bedeutet, Ressourcen so zu nutzen, dass auch zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können. Im Alltag heisst das: bewusster Umgang mit Energie, Wasser und Rohstoffen. Es geht darum, nur so viel zu verbrauchen, wie natürlich nachwachsen kann, und dabei ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichwertig zu berücksichtigen.
Q2. Wie kann ich mich an einer Energiegenossenschaft beteiligen? Die Mitgliedschaft in einer Energiegenossenschaft ist oft schon ab 100 Euro möglich. Sie werden damit Miteigentümer von Projekten im Bereich erneuerbare Energien wie Solar- oder Windkraftanlagen. Jedes Mitglied hat unabhängig von der Höhe der Anteile eine Stimme bei Entscheidungen. Die Genossenschaft kümmert sich um Planung, Bau und Betrieb der Anlagen.
Q3. Welche Vorteile bieten Repair-Cafés? Repair-Cafés verlängern die Lebensdauer von Produkten und vermeiden dadurch Müll sowie CO2-Emissionen. Die Reparaturen sind kostenlos, Sie zahlen nur eine freiwillige Spende. Gleichzeitig werden wertvolle Reparaturkenntnisse zwischen Generationen weitergegeben und Sie lernen, Gegenstände wieder wertzuschätzen. Zudem entstehen soziale Treffpunkte für den Austausch in der Nachbarschaft.
Q4. Wie funktioniert das Einkaufen in Unverpackt-Läden? In Unverpackt-Läden bringen Sie eigene Behältnisse mit und füllen Produkte wie Getreide, Gewürze, Öle oder Reinigungsmittel direkt ab. Sie kaufen nur die Menge, die Sie tatsächlich benötigen. Viele Produkte sind biologisch, fair und regional produziert. Der Einkauf wird schnell zur Routine und hilft, Verpackungsmüll konsequent zu vermeiden.
Q5. Warum sind Schulgärten wichtig für nachhaltige Bildung? Schulgärten ermöglichen Kindern, Naturprozesse wie Wachstum und Kreisläufe unmittelbar zu erleben. Schüler übernehmen Verantwortung, gestalten aktiv mit und lernen ganzheitlich über Fächergrenzen hinweg. Das gemeinsame Ernten und Verarbeiten macht Lernerfolge sichtbar und fördert sowohl Selbstwirksamkeit als auch Verantwortungsbewusstsein gegenüber Natur und Gemeinschaft.
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